Nunja, dies ist eine Frage, die ich mir selber oft gestellt habe, bevor ich letztlich dann doch durch das iPhone motiviert einen MacBook Pro gekauft habe.
Nach langen Jahren mit Windows in den verschiedensten Versionen bin ich vor einigen Jahren auf Linux (genauer Ubuntu) umgestiegen. Und weil das nicht reichte mussten die meisten meiner von mir supporteten Familienmitglieder mit umsteigen. Nach einer überraschend kurzer Zeit der Eingewöhnung sind selbst die lebenserfahreneren Semester gut mit der Plattform klar gekommen. Vor allem die Integration ins Netzwerk bis hin zum Grafikfrintend X11 brachten so einige Vorteile mit sich. Erfahrungsgemäß wird man für so ziemlich jedes Problem mit ein wenig Geduld, Zeit und viel Lesen eine Lösung finden. Auch die Konfigurierbarkeit bis in die letzten Winkel des Systems hatten nicht nur Vorteile, sondern haben auch noch ein enormes Lernpotential mit sich gebracht.
Warum also der Umstieg auf Mac OS?
Auslöser war wie erwähnt das kurzfristig gekaufte iPhone 3GS und der doch eher schnarch langsame Sync mit iTunes unter Windows. Hinzukam die Neugier auf xCode, und den Mac an sich. Nun kann ich nicht behaupten, dass der Umstieg Problemlos und ein einziges aha-Erlebnis war. Nichts desto trotz kam auch bei mir die angenehme Erkenntnis auf, wie einfach so viele Dinge sein können, wenn Sie richtig gemacht werden. Der Komfortplus der Applegeräte war letztlich dann auch das was mich dazu bewogen hat nicht sofort wieder zurück zu laufen.
Es ist schon angenehm sich mal keine unendlichen Gedanken bereits bei der Installation eines Systems machen zu müssen. Ein Backupkonzept, dass vielleicht nicht perfekt ist, aber funktioniert und noch dazu auch benutzt wird, weil es einfach ist. Aber über allem sind es die vielen vielen durchdachten Kleinigkeiten, die einem das Leben vereinfachen.
Was bleibt es Kritik, wenn doch alles so super ist?
Auch bei der schönsten digitalen Welt ist es nicht möglich es allen recht zu machen. So versteht es sich von selber, dass es auch Punkte der Kritik gibt.
- Von Linux kommend wäre da als aller erstes mal die deutlich eingeschränkte Shell. Eine veraltete Version der Bash mit alles anderem als aktuellen Grundkonfigurationen des Profils.
- Eine überraschende Nummer ist der App Store von Apple. Dieser ist im Grunde nichts anderes, als ein Repository mit Bezahlfunktion, wobei ein grosser Teil der Umsätze auch noch an Apple geht. In der Open Source Welt wird so etwas sicherlich völliges Unverständnis stoßen.
- So schön die grafische Oberfläche bei OS X auch sein mag, so unverständlich ist mir der Einsatz von VNC und der komplette Export des Desktops. Es hat doch Vorteile, wenn man lediglich einzelne Fenster auf einem anderen System darstellen kann ohne die gesamten Grafikinformationen übertragen zu müssen.
- Auch bei noch so motivierte Herangehensweise an Applescript kann ich nicht behaupten, dass ich diese Skripsprache als “nativ” bezeichnen würde.
- Gewöhnungsbedürftig war auch der Umgang mit EFI, der letztlich dazu geführt hat, dass ich alternative OS-Versionen dann doch lieber in einer virtuelle Umgebung starte und den Bootprozess so lasse wie er sein soll. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Ja, Apple hat hier das besser Konzept, aber die fehlende Unterstützung von Hause aus für das Booten von beispielsweise Linux nervt. Ich will kein rEFIt installieren müssen.
- Die Ausgaben für meine private EDV sind durch Apple buchstäblich explodiert. Ich musste seit Jahren nicht mehr soviel Geld für Software ausgeben.
Alles in allem:
Wenn man aus Linux das “Basteln” gewöhnt ist oder sich bei Windows mit den tiefergehenden Konfigurationen des Systems befasst hat, dann wird man die Nachteile verschmerzen. Lediglich der enorme Kostennachteil stimmt mich nach wie vor nachdenklich.
